Unsere Empfehlung:
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13
Autor: Peter Handke
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek
Im Handel seit: Juni 2003
Art: Gebundene Ausgabe
ISBN: 3937793143
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Kein Buch für nebenbei.
Handke Peter Die Angst des Torwarts beim Elfmeter Erzählung Süddeutsche Zeitung Bibliothek, 20004, 106 Seiten Nur weil der Polier vom Essen aufschaut, glaubt Josef Bloch, früher ein bekannter Torwart, sich entlassen und verlässt seine Arbeitsstelle. Ziellos wandert er durch Wien, nächtigt in einem Hotel und besucht ein Kino, dessen Kassiererin er nach einer Liebesnacht erwürgt. Mit dem Bus fährt er in einen Ort an der Grenze, führt Gespräche mit einer ehemaligen Freundin, mit zahlreichen Dorfbewohnern, prügelt sich grundlos und entdeckt die Leiche eines ertrunkenen, taubstummen Jungen, ohne es zu melden. In der Zeitung liest er seinen eigenen Steckbrief und beobachtet abschließend einen Torwart, der einen Strafstoß hält, indem er einfach stehen bleibt. Soweit der Inhalt. Im Ablauf des Romans treten bei Bloch immer häufiger Wahrnehmungsstörungen auf. Er ist dann unfähig Gegenstände, seinen eigenen Körper, Personen, deren Aussagen oder zeitliche Abläufe als Ganzes zu sehen und ihre Bedeutung zu erfassen. Er fixiert sich vielmehr auf deren Einzelteile, aus denen er wieder eine anders geartetes, stets auf ihn selbst bezogenes Ganzes entwickelt, das aber nicht mehr der ursprünglichen Bedeutung entspricht. (Medizinisch gesehen macht er also nicht nachvollziehbare Gedankensprünge - ein Leitsymptom der Schizophrenie). Aus jeder Einzelheit seiner von Handke akribisch geschilderten Umgebung, etwa aus Handbewegungen einer Person oder der Anordnung auf dem Tisch liegender Kekse, konstruiert Bloch qualvolle Anspielungen auf seine Person oder ihm gestellte Fallen. Sie lösen Gefühle in ihm aus und zwingen ihn zu für andere nicht nachvollziehbaren Handlungen. Umgekehrt bemängelt er, dass andere Menschen ihn nicht verstehen und seine kompliziert gedachten Aussagen nur einfach wörtlich nehmen. Zuletzt denkt er zeitweilig in Bildern. Schon früher, als Tormann, war er bei dem aussichtslosen Versuch gescheitert die Gedanken des Elfmeterschützen zu erfassen. Kein Buch für nebenbei. Ein interessanter, literarischer Versuch, die nichtnachvollziehbare Gedankenwelt des Schizophrenen nachzuvollziehen. Kurze Sätze erleichtern das Nachdenken, die Beschränkung auf 106 Seiten verhindert bei geringem Handlungsumfang das Aufkommen von Langeweile, wie auch der gekonnte Einsatz der Stilmittel für Abwechslung sorgt. .



Unter strikter Beobachtung.
Peter Handke: ein mitunter schwieriger Fall. Sein Roman „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" immerhin ein kleiner Geniestreich. Andere Werke des Österreichers hingegen häufig schwerfällig, nachgerade unlesbar. In genannten Buch war Handke noch ganz nah bei Bernhard (o, welch Freude!). Keine böswillige Unterstellung: Peter Handke kopierte hier ganz bewusst Thomas Bernhard (der so genannte ‚Übertreibungskünstler" hat dies jedenfalls seinerzeit über Handke behauptet). Dabei machte Peter Handke seine Sache noch sehr gut. Seinen im Jahre 1970 publizierten Roman „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" will ich deshalb auch uneingeschränkt zur Lektüre empfehlen. Zum Inhalt: Der ehemalige Torwart Josef Bloch glaubt, seinen Arbeitsplatz verloren zu haben. Ohne Ziel und Plan streift er sinnlos durch Wien. Er begeht einen Mord ohne Motiv an einem jungen Mädchen. Und verreist in ein Dorf an die Grenze. Seine Verhaftung nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Ihn kümmert's minder. Sein Leben hat keinerlei Sinn. Er treibt dahin. Am Ende besucht er ein Fußballspiel. Es wird ein Elfmeter gegeben. Der Ball geht nicht ins Tor. Die Handlung wirkt bescheiden. Und ist doch fesselnd. Gerade jene Passagen, die in dem kleinen Dorf an der Grenze spielen, zeigen Thomas Bernhard pur. Hier scheint - wie einst bei weiland Bernhard in ganz Österreich - der Schwachsinn beheimatet. Dorftrottelige Polizisten, fettleibige Pensionsbedienstete, verkrüppelte Kinder (in diesem konkreten Fall ein taubstummes Kind, welches ertrinkt und ‚naturgemäß' noch nicht einmal um „Hilfe" rufe konnte) bilden das übliche, zudem von Peter Handke noch ins Groteske verzerrte Bernhard-Personal. Bravo, Peter Handke!Es lohnt auch die Erwähnung der Verfilmung des Stoffes durch Wim Wenders aus dem Jahre 1972. In den Hauptrollen Arthur Brauss, Lipgart Schwarz, Kai Fischer und Erika Pluhar. Der Film musste glücken. Denn mitunter liest sich der Roman wie ein Drehbuch. Mit einer nahezu mikroskopischer Beschreibung des Handlungsablaufs. Peter Handke ging dabei ins Detail. Und hielt sein Personal unter strikter Beobachtung. Eine Musterung, die sich lohnt. Aber auch traurig machen kann. .



Herzloser Auszug aus dem Dasein.
Dieses Buch ist eine Belastung. Vier Jahre nach der "Publikumsbeschimpfung" hier eine Art "Leservernichtung". Die Hauptfigur, Josef Bloch fällt aus dem Dasein, aus der eigenen Existenz raus. Der Text selbst beginnt dabei zu zerfallen, löst sich auf. Ende der 60er Jahre gab es gesellschaftliche und philosophische Diskussionen um die Begriffe Existenz und Dasein. Wer sich seinerzeit sattgelesen und sattgehört hat in Sachen Sartre, Heidegger, Hegel, Bloch (!), etc. wird sekundenweise sogar etwas mit dem Text "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter" anfangen können.Das Thema "Auflösung des Daseins" wird für den Leser scheinbar auf die Gesellschaft übertragen; implizite Gesellschaftskritik; sehr über Bande gespielt. So etwa, wenn in einem kleinen Dorf ein Junge vermisst wird und sofort Zigeuner als Täter verdächtigt werden.Doch damit hält sich Handke nicht auf. Intellektuelle Floskeln aus der äußersten Hinterbank eines existenzialphilosophischen Seminars werden der Figur Josef Bloch einfach aufgestülpt. Dabei ist Romanfigur Monteur und ehemaliger Torwart! Man kann den Text so lesen, als würde eine psychische Krankheit im Text emuliert, die den Leser zur Teilnahme an der Krankheit verpflichtet. Doch dann muss der Text mangelhaft erscheinen, da er keinem Vergleich standhält. Döblin hat in Berlin Alexanderplatz mit der Figur Franz Biberkopf DAS singuläre Beispiel für den psychologisch-forensichen Roman gelegt. Die Figur Biberkopf besteht aus Fleisch und Taten; Bloch besteht aus Thesen und Hypostasen.Das Buch ist im schlimmsten Sinne des Wortes areligiös. (Die Wortwurzel von Religion bezieht sich auf "Bindung"). Es wird nicht deutlich woran die Romanfigur oder sein Autor glauben und was dem Leser denn nun zum Assoziieren aufgetragen sei. Das Buch strengt an, fordert vom Leser Energie, gibt nichts zurück und sagt noch nicht einmal "Tschüß". Literatur muss kein eindeutiges Ende oder gar Happy End haben; das Buch lebt aber von der unmittelbaren Begegnung und der intimen Vereinigung mit dem Leser. Seit den Ausführungsbestimmungen zu Hartz IV ist mir kein Text begegnet, der dem mehr entgegen steht als Handkes sperriger und dröger Text. .Die meisten Käufer dieses Produktes
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