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Der Fangschuß. SZ-Bibliothek Band 15

Autor: Marguerite Yourcenar, Marguerite A. J. d Crayencour, Richard Moering
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek


Der Fangschuß. SZ-Bibliothek Band 15, Autor: Marguerite Yourcenar, Marguerite A. J. d Crayencour, Richard Moering von Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek

Im Handel seit: Oktober 2004
Art: Gebundene Ausgabe
ISBN: 3937793119

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Nett, aber auch nicht mehr...

Das Buch handelt von einem deutschen Offizier (Erich), der in den Wirren der Zeit nach dem 1. Weltkrieg im Baltikum gegen die russischen Revolutionäre kämpft, und seiner Beziehung zu seinem Jugendfreund (Konrad), zu dem er offensichtlich mehr als rein freundschaftliche Gefühle hegt, und dessen Schwester (Sophie), die hoffnungslos in Erich verliebt ist.Der Schwerpunkt des Buchs liegt auf der Beschreibung der Bemühungen Sophies, Erich für sich zu gewinnen, der sie jedoch ein ums andere Mal abweist. Die Beziehung zwischen Erich und Konrad kommt zu kurz, um von einer echten Dreiecksbeziehung zu sprechen. Daher hat das Buch aus meiner Sicht über die ersten 50 Seiten einige Längen, da hier wiederholt die z.T. skurrilen "Annäherungsversuche" Sophies und die zumeist plumpen Erwiderungen Erichs geschildert werden. Auch der Krieg kommt über eine nur vage angedeutete, recht emotionslos geschilderte Rahmenhandlung nicht hinaus.Den spannendsten Teil bildet der Schluss, als sich die Wege von Sophie und Erich trennen, aber unweigerlich wieder zusammenlaufen. Das Buch lässt sich - anders als (einige wenige) andere Bücher in dieser Reihe, die ich bislang gelesen habe (Das kurze Leben, Das Portät des Künstlers als junger Mann), - "leicht" lesen. Die Sprache ist sehr eingänglich. Man muss nicht Literatur studiert haben, um der Handlung folgen zu könnenAlles in allem hätte man aus Geschichte mehr machen können. Zum Beispiel wird so gut wie nichts über das Verhältnis zwischen Sophie und Konrad - immerhin Geschwister - gesagt, was aber auch daran liegen kann, das der Kurzroman aus der Perspektive von Erich geschrieben ist. Fazit: Kein wirklicher Fehlgriff, aber es gibt deutlich bessere Bücher in dieser Reihe (mein Favorit bislang: Das Hotel New Hampshire). .

Emotionale Ausweglosigkeit.

Wie viele andere konnte auch ich mich dunkel an einen Film dieses Namens erinnern, den ich vor vielen Jahren gesehen habe, als mir der Titel 'Der Fangschuß' nun wieder in die Augen sprang. Allerdings ist mir der tiefere Sinn des Films damals wohl nicht ganz aufgegangen; es war ein einziges Hin und Her in Kriegszeiten, und zum Schluss wird jemand erschossen, von dem man es ganz und gar nicht erwartet...Dieses Buch dagegen hat mich wirklich beeindruckt, da wird aus der Perspektive eines der Beteiligten ein emotionaler Knoten geschildert, der nicht zu lösen ist, höchstens zu durchhauen, aber auch das bringt keine Heilung. Mit der Folgerichtigkeit einer griechischen Tragödie steuern die Protagonisten Erich und Sophie auf ihren Untergang zu.Dass die Autorin dabei aus der Sicht eines Mannes spricht, finde ich weder ungewöhnlich noch besonders bemerkenswert. Es gibt doch auch genügend männliche Autoren, die sich anmaßen, die Gedanken und Gefühle von Frauen wiederzugeben - manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg -, warum also sollte einer Frau dasselbe umgekehrt als "seltene Perspektive" angekreidet werden? Es ist doch eine sehr reizvolle Aufgabe für eine Schriftstellerin, und ich finde das Experiment auch ganz gut gelungen, kann aber natürlich nicht mit letzter Sicherheit darüber urteilen, denn ich bin ja auch nur eine Frau... Aber auch Männer sind ja wohl nicht alle gleich, und dieser Erich ist ein nicht alltägliches Exemplar seiner Gattung mit einem höchst komplizierten Innenleben - kein Wunder also, wenn sich nicht jeder in ihn hineinversetzen kann! .

Adeliges Gesülze.

Die Autorin war sich selbst scheinbar nicht ganz der Tragweite ihres Romans bewußt und fühlte sich so bemüßigt ihr Opus mit einem Nachwort zu versehen. In diesem wird dem geneigten Leser auch gleich dargelegt wie die Interpretation des Romans zu erfolgen habe: als traditionelle französische Erzählung im Stile Racine's. Die Beschreibung der kriergerischen Gräueltaten gelingt der Autorin in der Männerrolle in keiner Weise; das Studium von Generalstabskarten ist dafür dann doch zu wenig. Die homophile Zuneigung des Offiziers Erich zu seinem Jungendfreund Konrad und das pseudoerotische Ränkespiel zwischen Sophie und Erich klingen eher nach Auswucherungen einer absterbenden "jeunesse doree" als nach Lebensäußerungen in Kriegswirren befindlicher Menschen. Der Tod der "Kameraden" ist für das adelige Protagonistentrio nur der unbedeutende Verlust von Menschenmaterial; am ehesten fühlte ich mich noch mit Sophie verbunden, spätestens nach ihrem Überlaufen zu den Bolschewiken. Immer wieder musste ich während der Lektüre an Erich Maria Remarque's "Im Westen nichts Neues" denken. Dieses Buch hätte meiner Ansicht nach wesntlich mehr Anrecht auf einen Platz in der SZ-Bibliothek und sei jedem Leser des Fangschusses hiermit ans Herz gelegt. .

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