Unsere Empfehlung:
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Autor: Bastian Sick
Verlag: Kiepenheuer & Witsch


Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Autor: Bastian Sick von Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Im Handel seit: August 2004
Art: Broschiert
ISBN: 3462034480

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Sprachverfallstheorien sind so alt wie das Sprachbewusstsein.

Ein kurzer Blick in dieses Buch genügt, um zu sehen: Aha, hier hat also ein Journalist das getan, was schon viele vor ihm getan haben: Er hat den vermeintlich zunehmenden Sprachverfall unserer Gesellschaft kritisiert. Auch wenn er das nicht ganz so brachial wie manche seiner Vorgänger tut, sondern vielmehr auf unterhaltsame und fast schon wieder erbauliche Weise, so ist dennoch - aus sprachwissenschaftlicher Sicht - seine Methodik zu hinterfragen. Nicht nur, dass er den Titel seines Buches von einer vor längerer Zeit erschienenen Dissertation ("Rettet dem Dativ!") abgeguckt hat, nein! Er zieht mit nicht belegten Hypothesen und erwiesenermaßen falschen Behauptungen in den Kampf gegen die Sprachverfälscher und Sprachbanausen allerorts. Dabei wissen wir nicht erst seit Rudi Kellers Ausführungen zur Sprachwandeltheorie (sein bekanntes "Invisible-hand-Phänomen), dass Sprachwandel - und nicht Sprachverfall!! - etwas Natürliches ist. Dass Sprache sich im permanenten Wandel befindet und noch niemals eine Sprache wirklich verfallen ist. Außerdem führt er uns vor Augen, dass wir immer nur die Sprache der anderen kritisieren, niemals unserer eigene (ach, was spreche ich bloß für ein verlottertes Deutsch im Vergleich zu meiner Großmutter?! oder: Mensch, wie schrecklich ist nur das Neuhochdeutsche im Vergleich zum Althochdeutschen!!). Sprachwandel setzt immer mit "Fehlern" ein, die im Laufe der Zeit zu Konventionen werden.
Aber gut: unterhaltsam ist es, wenn einem diese Fehler vorgehalten werden - falls sie nicht schon längst so selbstverständlich geworden sind, wie "wegem dem schlechten Wetter"-Aussagen oder "weil er hat sein Auto dort geparkt". 2 Punkte - nicht mehr, denn all das ist nicht neu, sondern nur geschickt vermarktet - nicht weniger Punkte, weil es dennoch ein Buch ist, das zum Sprachphilosophieren anregt. .

Unterhaltsames und unverzichtbares Lehrbuch.

Bastian Sick hält, was er vorweg verspricht, "das sprachliche Bewusstsein zu schärfen und meine Leser zu ermutigen, nicht alles widerspruchslos hinzunehmen, was ihnen an bizarren Formulierungen in den Medien, in der Werbung, in der Politik, im Geschäfts- und Amtsdeutsch geboren wird." (Seite 13)
Das gelingt ihm durch die gelungene Mischung aus lehrreichem Stoff und unterhaltsamer Darstellung. Er klingt sogar dann charmant, wenn man sich bei einer sprachlichen Masche ertappt fühlt, die man hirnlos nachäfft, weil sie schon irgendwie "Sinn macht".
Das Buch ist klein und handlich. Dem Autor wird man zutrauen können, dass er mehr zu sagen hat als er es tut zu den Beweggründen, aus denen heraus "brutalstmöglichst" gesteigert, mehr Mehrzahl als möglich gebildet und die Substantivierung von Verben betrieben wird. Seine Andeutungen, mit denen er es bewenden lässt, locken den Leser zu eigenem Nachdenken und halten das Buch schlank.
Dieses Lehrbuch, das deutsches Empfinden wegen seines hohen Unterhaltungswertes nur zu leicht als unseriös abtun möchte, wird jeder ständig zur Hand haben müssen, zu dessen Handwerk der Umgang mit Sprache (schriftlich und mündlich) gehört - einerseits, damit er sich nicht um Kopf und Kragen redet und so der Lächerlichkeit preisgibt, andererseits um dazu beizutragen, dass wir alle uns wieder angewöhnen, vor und beim Sprechen nachzudenken. .

Durchwachsen oder nicht richtig abgehangen.

Dem lübeckianer Autor ist mit diesem Buch ein großer Schmiss im Literaturbereich gelungen. Es ist das einzigste lingual-wissenschaftliche Werk im deutschsprachigen Raum, bei welchem den mündigen Lesern nach dem Lesen die Ohnmacht ihres Wissen's bewußt geworden sein sollte. Frei nach dem Motto ‚Krusten aufbrechen'des ehemaligen Nationalstümers und Bäckermeisterssohn aus Geislingen, der wo heute Nationaltrainer im Fußballbereich ist, kriegt es Bastian Sick hin die Bildungsbürgerschar mit konservativ-evolutionären deutschen Sprachleitbildern zu fesseln. Diese Kunst gelang übrigens auch der Deutschen Bahn neulich erst wieder (oder schreibt man es wider). Im Interview beim Morgemagazin dozierte ein Bahnsprecher zur Verkürzung der Fahrtzeit zwischen Hamburg und Berlin: „Wir schenken unseren Kunden eine halbe Stunde Reisezeit." Wenn ich nun weniger Zeit im Zug sitzen darf, wo ist dann die geschenkte Reisezeit. Ich habe dann zwar mehr Freizeit aber de facto weniger Reisezeit. Oder gilt hier der alte Spruch: „Weniger ist machmal mehr." Außerdem hat der Snack-Caddie (Imbiß-Golfjunge) weniger Zeit seine Brezelz & Drinxx der Zielgruppe Bahnkunde zu kredenzen. Wen solche alltäglichen Sprach-Lapsuse amüsieren, der sollte sich in ein Erdloch zurückziehen und sich vom Zwiebel-Fisch-Kolumnisten belehren lassen. Etwas erinnert mich das Buch an meine Schulzeit. Ein Lehrer von mir hatte vor der Schulstunde Radio-Werbung gehört. Es wurde für ein Gerstensaft mit dem Spruch „Deutschland ist schön, seine Landschaften typisch" geworben. Damit wird das Bier kaufbar was wiederum typisch für die schöne Landschaft Deutschland wäre. Aber was zum Teufel ist eine ‚typische Landschaft'? Sollte Herr Sick diese Kritikerzeilen lesen so empfehle ich ihm Baldrian um seine Sprachnerven zu schonen. Zumindest einige Fehler im Text wurden offenbar absichtlich von mir eingestreut. Manko des Buches: Manche Geschichten wiederholen sich und reißen zumindest mich nicht vom Hocker. Ob nun die Bewohner von Ländern oder Städten so bzw. so genannt werden, hätte man/frau in einem Aufwasch abgehandelen können. Redundanz macht das Buch nämlich nicht spannender. .

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Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Autor: Bastian Sick
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